Frankfurt, Herbst 2013. Robert Basic, seines Zeichens Tech-Blogger, versorgte seine Follower bei Facebook mit Fotos vom Eröffnungstag der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt, kurz IAA. Und erntete Likes und “Oooohs!” und Fachdiskussionen. Bei aller fraglos beeindruckenden High Technology ging es in den Kommentaren aber vor allem um eins: Das Design. Mal hieß es BMW und Angry Pigs“Statement!” oder “Cool!”, mal “Hässlich!”, wie immer ließ sich über Geschmack nicht streiten.

“Wie lustig, Angry Pigs!” dachte ich, als diese Fotos von den BMWs entdeckte.

Gespannt klickte auch ich mich weiter durch die Galerie der Boliden. Und fühlte mich bald so, wie immer öfter beim Blick in den Rückspiegel auf der linken Spur der Autobahn: Böse weg gestarrt.
Denn während Porsche weiterhin auf bewährte Rundungen und ein charmantes weises Lächeln setzt, und damit leider zum Teil schon etwas altbacken wirkt, dominiert bei anderen Premium-Herstellern der böse Blick. Kantig, mit zusammengekniffenen, stechenden Augen und gefletschten Zähnen kommen sie daher, mit einer ausgeprägten Platz-da-Attitüde – und das schon bei den Kleinsten, wie dem BMW i3, dem kleinen Elektro-Bruder des i8.

Mercedes-Benz F 125

Mercedes-Benz F 125! Hätte eigentlich gut lachen, weil er emissionsfrei durch den Luxus fährt.

Futuristisch, kalt und aggressiv fixieren sie einen erbarmungslos und unmissverständlich: Die Straße gehört mir. Geh mir besser aus dem Weg. Sofort.

Tja, Autos – wir könnten jetzt darüber philosophieren, ob ihr Design das Gefühl in unserer Ellenbogengesellschaft widerspiegelt. Und man sich heute beim Autokauf  deshalb entscheiden muss zwischen Transformers (die Guten) und Decepticons (die Bösen).

Wer spricht Frauen auf der IAA als Zielgruppe an?

Aber was, wenn ich mir statt eines auf Krawall gebürsteten, unentspannten Roboters lieber einen sportlichen und charmant lächelnden Gentleman als Gefährt(en) wünsche? Einer mit dem gewissen Etwas? Mit einem Augenzwinkern, durchaus mit etwas latent Gefährlichem, in jedem Fall aber einen souveränen und lässigen Typen mit Stil und Charakter?

Frauen auf der IAA als Auto-Deko

Audi nanuk quattro concept – Souverän auf Rennstrecke und Gelände, könnte lässig lächeln.

Ich habe Rob gebeten, während seines IAA-Besuchs Ausschau nach Autos zu halten, die diesem Wunsch entsprechen könnten. Und ob er irgendwelche Hinweise auf den Sinn für Weiblichkeit auf der etablierten Automesse findet. Nun. Er hat. So quasi. Einmal in Form der Damen, denen man als einzige höchst anspruchslose Aufgabe zugestanden hat, als Auto-Deko zu leuchten.

Zum Anderen fand er in der Ecke einer Halle neben einem Notausgang immerhin noch dieses eindrucksvolle Beispiel für das Verständnis für die Zielgruppe “Frau”:

Frauen auf der IAA?!

Frauen in die Ecke. Was für ein Signal an eine unerschlossene Zielgruppe.

Auf der Seite des Ausstellers “Hallo Frau” heißt es dazu: “In gemütlicher Atmosphäre können sich Neugierige über die praktischen und schönen Dinge des Alltags als Autofahrerin informieren. Gleich gegenüber wartet die KidsCorner mit allerhand Spielspaß auf Groß und Klein.”

Der fahrbare Untersatz auf diesem Stand: Eine Einkaufskugel, der typische Zweitwagen für Mami – ebenso mit missgelauntem Blick, wenn hier auch eher grenzdebil.

Gemütlich, praktisch, Alltag und Kids auf der einen Seite, sexy Deko-Frauen neben den PS-Boliden auf der anderen Seite. Man wird den Eindruck nicht los, dass sowohl IAA-Macher als auch die Auto-Hersteller die Frau an sich immer noch als Beifahrerin oder Statussymbol wahrnehmen, die als Zielgruppe nicht ernst zu nehmen ist. Und dabei völlig verschlafen, dass auch Frauen inzwischen gutes Geld verdienen, und sehr klare Vorstellungen von ihren Traumautos entwickelt haben. Jenseits von praktischen Vernunftskutschen.

Frauen und ihre Autoträume

Um sicher zu gehen, dass ich mit dieser Wahrnehmung nicht alleine bin, habe ich unter Kolleginnen umgefragt, wie sie es so mit der Lust am Auto halten, und welche Traumautos sie ihr eigen nennen würden, wenn Geld keine Rolle spielen würde.

 

Christa Goede: Traumauto Mustang

Christa Goede:
Traumauto Mustang

Christa Goede, Texterin und Konzeptionerin aus Frankfurt am Main, ist gerne schnell unterwegs und mag PS-starke Autos mit grimmigem Gesicht. “Denn ich bin jahrelang einen E-Corsa mit Kulleraugen gefahren. Der hatte schon Bums unter der Haube – aber auf der Autobahn wurde ich nie ernst genommen.” Ihr Traumauto wäre ein roter 67er-Mustang mit weißen Ledersitzen.

 

 

 

 

 

 

Nicole Willnow: Traumauto Maserati

Nicole Willnow:
Traumauto Maserati

Nicole Willnow, Geschäftsführerin von winggiver – coaching & consulting aus Hamburg, liebäugelt mit dem Maserati Gran Cabrio: “Ein Cabrio muss es sein, und möglichst selten. Einen Porsche fährt jeder. Kantige Modelle wie der Lamborghini Countach gefallen mir nicht. Fahren muss Spaß machen. Und mir macht Beschleunigung Spaß. Und schöne Linien.”

Nina Kalmeyer: Traumauto Jaguar F-Type

Nina Kalmeyer:
Traumauto Jaguar F-Type

 

 

 

 

 

 

 

Auch Nina Kalmeyer, Senior Manager Innovation & Strategic Growth Initiatives bei der KPMG AG, setzt auf Power: “Da ich immer wieder in kurzer Zeit relativ lange Strecken fahren muss und dies auch gern mache, sind meine Kriterien für ein Auto: eine hohe PS-Zahl, um vernünftig beschleunigen zu können wenn es nötig ist. Und um einfach auch mal richtig Gas geben zu können, wenn es frei und erlaubt ist. Sicher & komfortabel sollte es sein, und gefallen sollte es mir auch noch. Wenn Geld keine Rolle spielen würde: Das Jaguar F-Type V8 Cabrio. – Ja, ich weiß ich bin ein Snob.”

Kleine Umfrage unter Frauen

Das Ergebnis meiner kleinen, spontan erstellten SurveyMonkey-Umfrage, die ich auf allen Social-Media-Kanälen geteilt habe, bestätigt ebenfalls mein Gefühl: Frauen lieben Autos mit Power und Ausstrahlung. Auf die Frage, welches Auto sie für sich ganz allein aussuchen würden, wenn Geld keine Rolle spielen würde, antworteten von den 35 Frauen, die teilgenommen haben, nur sechs, dass sie einen Kleinwagen wählen würden – fünf davon müssten aber Oldtimer sein.

Zwölf wünschen sich Cabriolets – und auch hier sind Oldtimer mit neun hoch im Kurs. Nur bei den sieben Sportwagen dominieren die neuen Modelle: fünf Frauen wünschen sich einen aktuellen Flitzer.
Auch spannend: Unter dem freien Punkt “Sonstiges” gaben von acht Frauen sechs an, dass sie einen Geländewagen wählen würden.

Bei der Frage nach den Soft Skills antworteten die Teilnehmerinnen zu gleichen Teilen mit cool, charmant, frech, schnittig und sportlich. Bei der gezielteren Frage nach dem “Gesichtsausdruck” sticht vor allem eine Aussage heraus: Zehn Frauen gaben an, dass ihr Auto selbstbewusst gucken sollte. Ok, und eine schrieb, ihr Auto solle schauen wie ein rosa Einhorn.

Umfrage Frauen Autos

Auswertung Traumautos: 50% würden Oldtimer wählen

Verehrte Hersteller und Messemacher:

31 der 35 Frauen gaben an, noch nie auf der IAA gewesen zu sein. Immerhin 24 würden aber kommen. Auf der nächsten erwarten wir  also eine Halle ganz für uns. Gebt Euch ein bisschen mehr Mühe als in diesem Jahr, lockt und und umwerbt uns. Wir sind eine Zielgruppe, die gewonnen werden möchte. Und ja, vielleicht auch mit einem rosa Einhorn. Aber vor allem mit Charme, Sinnlichkeit, Power, Charakterstärke, Köpfchen und Stil. Überrascht uns.

Natürlich ist eine Umfrage unter 35 Frauen, von denen die meisten technik-affin sein dürften, alles andere als repräsentativ. Dass Frauen sich mit der Rolle der Beifahrerin auch in der Gesellschaft nicht mehr zufrieden geben, dürfte aber ein Trend sein, der sich noch deutlich weiter entwickeln wird.

Leeloo KnockP.S.: Wenn ich ein breites charmantes Lächeln in angemessenem Abstand im Rückspiegel sehe, mache ich gerne bei nächster Gelegenheit Platz, schon um ein Auge auf den Gentleman werfen zu können, der mit so guten Manieren glänzt.

Was dagegen mit garstig drein schauenden Typen passiert, die sich aufdrängen, ist klar, oder?

 

Weiterführende Links und Infos

Bei der Auto-Diva Nicole Y. Männl habe ich mich noch etwas über die Gesichtszüge von PS-Boliden ausgelassen. Übrigens: Die Frau mit Motorenöl im Blut bevorzugt privat die runden Formen und einen niedlichen Blick – und fährt ein MINI Cooper Cabrio.
Großer Fan ist Nicole vom Porsche-Klassiker: “911 – egal, wie alt. Der ganz neue Turbo S ist die himmlische Hölle, sonst ein alter mit Fuchsfelgen in einer knalligen Farbe. Es kommt aber auch immer drauf an, wie sich das Auto fährt. Da nehme ich eher eine unschöne Kante in Kauf, als dass ich zu langsam unterwegs bin”.

Weitere Links

Dieser Artikel ist erstmals 2013 in meinem alten Blog shamani.de erschienen. Die Links wurden im Juli 2018 aktualisiert.