Mein erstes Auto war ein Kadett C mit Stufenheck, Baujahr 77, und in Wahrheit war er mindestens fünf Autos. Als mein damaliger Freund, Berufskraftfahrer und Lebenskünstler, das Auto vor dem Schrottplatz rettete, hatte das Vehikel noch ein paar Monate TÜV und war ausgesprochen bunt. Gelber Rahmen, schwarz gerollte Motorhaube, die linke Tür war grün, die rechte lila, und die Kofferraumklappe war rot.

Motor

Symbolfoto. Kein Kadett-Motor. Nur das Chaos drumherum war ähnlich.

Ich fiel aus allen Wolken, als ich das Schätzchen zum ersten Mal sah. “Es kommt auf die inneren Werte an!” sagte mein Freund. Die nächsten Tage verbrachten wir damit, Schrottplätze nach billigen Ersatzteilen abzuklappern, neue alte Sitze einzubauen, den Motor zu überholen. Das machten wir auf dem Parkplatz vor der Tür, mit herbeigeschafftem Kran, es floss viel Öl, Kühlwasser und Bremsflüssigkeit, die Nachbarn waren not amused.

Ich war 18, machte gerade den Führerschein, war so oft es ging mit meinem Freund im Truck unterwegs. Und an den Wochenenden schraubten wir. 1989 war das.

Rosa Lappen, roter Kadett

Als ich zur Führerscheinprüfung musste, war mein Freund verschwunden. Keine mutmachenden Worte, kein Seelenbeistand, kein Bringdienst. Das kam schon mal vor. Ich verfluchte ihn und fuhr wütend mit den Öffis zur Prüfung.

Mit der Wut im Bauch rasierte ich beim rückwärts einparken beinahe den Außenspiegel des nebenstehenden Autos. Schnappatmung beim Prüfer, Beschwichtigung vom Fahrlehrer (“Sie ist da sehr souverän…”) und ich führte überzeugend an, dass ich sehr genau weiß, wie breit das Auto ist.

Wusste ich tatsächlich, ich fuhr ja schon ein paar Monate. Nicht immer nur auf Privatgrundstücken.

Ich bekam meinen rosa Lappen und hätte gern jemanden zum Mitfreuen gehabt. Da kam er um die Ecke: Feuerwehrrot gerollt, GT/E-Aufkleber an den Seiten, Schafwollsitzüberzüge mit Holzkugelsitzauflage, auf dem Kofferraumdeckel die CB-Funkantenne zum Funkgerät unter dem Kassetten-Radio, im Heckfenster das Nummernschild mit meinen CB-Nick: Tabaluga 01.

Kadett C Stufenheck 1989

Leider hielt die Freude darüber nur kurz an. Beim zweiten Tanken wickelte ich den Kadett beim Ausfahren um einen übersehenen Steinpoller, die Beifahrertür ging nie wieder auf. Der Rahmen -war ohnehin instabil, denn die neue Farbe hielt den Rost nicht zusammen.

Außerdem kam die Frau meines Freundes mit ihrem Kind zurück.

Aber hey, irgendwas ist ja immer.

Opel Kadett C Review
BastelfreundlichGünstigkultig
UnzuverlässigInstabilWie der Kerl
3.5Old but cult
Image
Zuverlässigkeit
Design
Kult Faktor
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